GROBALARM! — Das Versal-Eszett.

Auch wenn wir bei mausbrand | neues eigentlich nichts mit diesem Buchstaben zu tun haben — Versalien tauchen hier ja eher selten auf (wir hatten auch noch nie soviel Fließtext, wie hier ;) ) — bin ich als Freund der deutschen (geschriebenen) Sprache doch irgendwie mit diesem kleinenâĦ ehmâĦ großen Buchstaben verbunden :)

Doch wovon schreibt ich da?

Nachdem Ende April »die Typographen« im Leipziger Ratskeller die Aufnahme des großen ß in den Unicode feierten, echauffierten sich »die (anderen) Typographen«Â kommentierend im Fontblog. 

Ein heikles Thema, das stellenweise droht in einen wahren Glaubenskrieg überzugehen ;)

Man hat es bis dato nicht benötigt — man wird es nie benötigen! Außerdem sieht es scheiße aus! Das kleine ß könnte man gleich mit abschaffen! Und wenn man sowieso dabei ist: Wofür haben wir eigentlich diese Umlaute, die doch sonst keiner hat? Sprachen aller Länder vereinheitlicht euch.

heißt es da zusammenfassend auf Seiten der Kritiker. (Klingt alles in allem ein wenig nach Ultradoitsh von Zé do RockâĦ)

Noch einmal aufgewärmt wurde die Debatte mit der Veröffentlichung des ersten CD-Covers mit versalem SZ und dem Bericht im Fontblog, da zwar die alte Rechtschreibung, aber der neue Buchstabe verwandt wurde. 

Mir gefällt die Idee dem verwaisten ß ein Elternteil zur Seite zu stellen sehr gut. Denn Sprache ist ein Stück der Identität und ich für meinen Teil mag es nicht in einem Einheitsbrei der (typographischen) Gleichschaltung zu versinken. Nicht umsonst gibt es Ligaturen, Kapitälchen, Kursive und der Gleichen mehr, die dem Schriftbild eine gewisse Note verleihen und ihm Charme und Aussagekraft geben.

Wer diese Möglichkeiten hat und sie nicht nutzt negiert kreative, ästhetische und gestalterische Freiheit. Diese wird durch einen neuen Buchstaben doch nur erweitert, denn wer mag kann doch weiterhin SS oder SZ im Versalsatz nutzen. In Behörden oder bei Firmen- oder anderen Eigennamen in Großbuchstaben die auf ein ß nicht verzichten wollen macht es die Typographie ein Stückchen feiner, schöner, richtigerâĦ wie auch immer man es nennen will.

Doch hier sehe ich das Problem der momentanen Entwürfe. Das Versal-Eszett sieht in den meisten Fällen eigentlich nur wie eine aufgeblasene Version des Minuskel ausâĦ oder eine 3 mit Rüssel. 
Der Leihe erkennt doch zwischen beiden ß-Zeichen im Versalsatz keinen Unterschied. Strichstärken, Laufweite und optische Ausgeglichenheit interessieren ihn nicht. Wenn er auf seiner Tastatur anstatt eines großen ß nur ein ? (Wie bezeichnend! ;) ) bekommt, dann nutzt er halt das kleine, falls er sich nicht an die Doppel-S-Regel hält. Das Versal-Eszett bleibt ein Buchstabe für Fachidioten, die sich dann einen Ast freuen, wenn irgendwo jemand (aus den eigenen Reihen) den neuen Buchstaben benutzt und somit alles richtig gemacht hatâĦ obwohl es ansonsten wahrscheinlich niemanden interessiert.

Sollte es wirklich zu den echten Großbuchstaben dazugehören wollen, dann muss ihm auch ein wenig Aufmerksamkeit zuteil werden.
Wenn es schon einen neuen Buchstaben gibt, dann möchte ich doch bitte schön einen mit Persönlichkeit haben. Ein A ist kein a und ein B kein b.

Das ß ist eine Ligatur aus dem alten, kleinen, langen s und einem geschweiften, kleinen z bzw. einem runden kleinen s: ſʒ oder Å¿s. Warum sollte das große ß eine große Variante einer Ligatur von Kleinbuchstaben sein? Warum verbindet man nicht S und Z? Schließlich heißt das Ding auch soâĦ wahrscheinlich war die Idee zu naheliegend :)

Auch eine Ligatur von S und S wäre möglich und verständlich, wenn auch schon auf der Tastatur vorhanden: Âß 

Im Ergebnis müssen die Ursprünge noch nicht einmal erkennbar sein: unwissend aus dem & ein et zu lesen ist ähnlich schwer, wie ein £ mit Pound in Verbindung zu bringen, wenn man nicht das Latinum sein Eigen nennt ;)  

ff808082199e52180119b05f8db800a2


mausbrand|neues per email: versandt von FeedBurner.

1 Comment »

  1. Juhuja :)



Leave a comment